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Wenn Auge und Hand sich nicht streiten

Einmütige 7. Ökumenische Tage in Ostfildern: Werkstatttag, Gottesdienst und Kindersamstag

Wenn Auge und Hand sich nicht streitenWas haben ein VfB-Spieler, Knödel-Lasagne und ein Umweg über Peru gemeinsam? Sie haben alle mit den 7. Ökumenischen Tagen in Ostfildern zu tun – bei denen eine Besucherin den Gottesdienst mit dem ungewöhnlichen Ausruf „Schon vorbei – schade“ verließ.
Der Vorname des neuen VfB-Spielers Ebenezer Ofori bedeutet „Stein der Hilfe Gottes“. Mit so einer Hilfe blickt der Theologe Nikolai Kohler hoffnungsvoll in die Zukunft des VfB Stuttgart. Er hat sich aber für seine Doktorarbeit gerade Fußballabstinenz verordnet. Kohler hielt die Predigt, empfand aber schon das einmütige Zusammensein in der vollen Kirche St. Dominikus als solche, mit Christen aus katholischen, evangelischen, evangelischen-methodistischen Gemeinden und der freien christlichen Gemeinde Prisma.
Kohler ist ein Pfarrersohn, dennoch hatte er sich als Teenager immer weiter von der Kirche entfernt. Doch dann ging die Pfarrfamilie für einige Jahre nach Peru. Dort erlebte Kohler, wie sich die dortigen Christen um Straßenkinder kümmerten. „Das ist authentisch, da muss etwas dran sein“, befand er und begann deshalb zuhause sein Theologiestudium. Nun warnte er davor, sich mit anderen zu vergleichen und über andere zu urteilen. Er sprach auf Basis eines Briefes, den der Apostel Paulus an die reichlich chaotische Kirche in Korinth geschrieben hatte: Es wäre Unsinn, schrieb Paulus, wenn das Auge zur Hand sagen würde, ich brauche dich nicht. Oder wenn das Ohr meinte, wenn es kein Auge sei, dann gehöre es zum Leib gar nicht dazu. Alle sind verschieden, gehören aber zusammen.
Zum Gottesdienst gehörte Musik vom Bläserensemble St. Dominikus bis zur Lobpreis-Band von Prisma, jede Kirche sollte mit typischen Elementen vertreten sein. Professor Wilfried Härle berichtete vom „guten Geist“ beim Werkstatttag zur Zukunft der Kirche am Tag zuvor. Der Tag werde Folgen haben: „Wenn uns Gott so eine Gelegenheit schenkt, gehörten wir verprügelt, wenn wir sie nicht nutzen.“ Härle war erstaunt, „wie viele Christen in Ostfildern in schwierigen sozialen Bereichen tätig sind, etwa im Frauenhaus“. Er will keine organisatorische Vereinigung zu einer einzigen Kirche, sondern „Kirchengemeinschaft, konkret umgesetzt in der Liebe zu den Menschen, die es am nötigsten brauchen“. Härle wurde gebeten, seine „Erklärung der göttlichen Dreieinigkeit in 90 Sekunden“ vom Vortag zu wiederholen und verglich dabei Vater, Sohn und Geist mit dem Wasser: „Es gibt dieses als Eis, Wasser und Wasserdampf, aber es ist alles H2O.“
Die Liturgie gestalteten die katholische Pastoralreferentin Britta Groß und die evangelische Pfarrerin Cornelia Krause gemeinsam. Klaus Schopf, Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), leitete den EmK-typischen „Gemeinschaftsteil“. Zu ihm gehören nicht nur Bekanntgaben, sondern es erzählen auch einzelne Gottesdienstbesucher, wie es ihnen gerade geht. Für den Segen am Schluss waren die Katholiken zuständig, wobei der Segen selbst so überkonfessionell ist wie der kirchenverbindende Glaube an die Dreieinigkeit – letztes war Härle am Werkstatttag neu aufgegangen.
Zu den Ökumenischen Tagen gehört auch immer der Kindersamstag. Mit den älteren der 25 Kinder hatte Pfarrer und Kochexperte Ulrich Enderle dort die Knödel-Lasagne gekocht. „Das ist eine Eigenerfindung“, bekannte er hinterher, „da habe ich Gemüse drin versteckt.“

geschrieben von Peter Dietrich am 07.02.2017 um 16:24 Uhr.


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