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Die 68er werden 68

„Forum am Nachmittag“ mit sechs Praxisbeispielen zur Seniorenarbeit

Die 68er werden 68Unter dem Motto „Das Alter hat Zukunft“ hatten der Bezirksarbeitskreis Senioren (BAKS) und der Evangelische Kirchenbezirk Bernhausen zum „Forum am Nachmittag“ nach Filderstadt-Plattenhardt eingeladen. Rund 50 Teilnehmer diskutierten Praxisbeispiele der Arbeit mit jungen und älteren Senioren.
Den Glückwunsch zum Ruhestand fand der ehemalige Manager ja erfreulich. Doch die Einladung auf der zweiten Briefseite, sich künftig beim Austragen des Gemeindebriefes zu engagieren, etwas seltsam. „Das Engagement der Älteren nimmt am stärksten zu, sie haben Zeit und Erfahrung“, sagte Dekan i.R. Richard Haug, Vorsitzender der Evangelischen Senioren in Württemberg (LAGES).
Er bot ein differenziertes Bild des demografischen Wandels und sprach von „Unterjüngung“. Die Bevölkerung gehe zurück, im Landkreis Esslingen wachse sie aber laut Prognose noch bis 2035. Auch hier sinke die Zahl der Kirchenmitglieder, aber nicht die Zahl derjenigen ab 60 Jahren, sie werden mehr und immer engagierter. Baden-Württemberg stehe bei diesem Engagement an der Spitze. Doch zugleich habe die Kirchenverbundenheit der 60 bis 69-jährigen so stark abgenommen wie in keiner anderen Altersgruppe. „Die 68er werden 68“, sagte Haug. Dr. Markus Geiger, Leiter des Evangelischen Bildungswerks im Landkreis Esslingen, hat die Zahlen für den Kirchenbezirk ausgewertet. Von 2013 bis 2016 gingen alle Altersstufen zurück, außer die Stufe 80plus.
Nicht jeder muss das Rad neu erfinden, deshalb hatte der BAKS-Vorsitzende Pfarrer i.R. Richard Genth Mitarbeiter von sechs Projekten eingeladen. Wolfgang Ockert, Diakon in Göppingen, stellte das Ausbildungsprogramm für Altenbegleiter vor. Es spricht auch Berufstätige an, doch vor allem Leute im Ruhestand. An sechs Abenden lernen sie seelische und körperliche Veränderungen im Alter kennen, werden im Umgang mit Demenz geschult und über Netzwerke und Hilfestrukturen informiert. „Das geht über die Qualifikation für den Besuchsdienst hinaus“, sagte Ockert zu komprimierten Ausbildung.
Das „CAFÉ mit ThEEma“ für junge Senioren in LE-Unteraichen bietet neben Kaffee und Tee auch kontroverse Themen. Die Nachmittags-Akademie für Senioren in Nürtingen beschäftigt sich in diesem Semester mit der Krise in der arabischen Welt, mit Kunst und Luther, mit der Generation der Kriegskinder und der Telefonseelsorge. Im Verein „Initiative Lebensraum Möhringen-Fasanenhof-Sonnenberg“ sind die Kirchen voll mit dabei, es engagieren sich aber auch Leute ohne kirchliche Bindung, sie müssen nicht mal Mitglied im Verein sein. Der Besuchsdienst für allein lebende Ältere ist nur eine von vielen Aktionen, jede Woche besuchen die Ehrenamtlichen für zwei bis drei Stunden meist Hochbetagte. Wer besucht werden sollte, dazu kommen Hinweise von der Diakoniestation, von Mitarbeitern der Stadt Stuttgart und von Angehörigen.
Was ist mit dem sonntäglichen Gottesdienst? Ältere kämen nicht automatisch, sagte Christoph Killgus, Vorsitzender der Bezirkssynode. Durch schwierige Zeiten im eigenen Leben seien sie oft williger und fähig, sich auf neue Wege einzulassen, als die Jüngeren. Aber: Würden neue Elemente rücksichtvoll eingeführt? Werden neue Medien und neue Technik erklärt und nicht einfach als bekannt vorausgesetzt? Wer gerne und fröhlich mit Kindern umgehe, könne meist auch gut mit alten Menschen umgehen, hat Killgus beobachtet.
Aus Bildungsangeboten mit Austausch und Kontakten entstünden weitere Aktivitäten, sagte Haug. Es gehe darum, sich gemeinsam mit Älteren ins Gemeinwesen einzubringen. „Wir wissen noch viel zu wenig voneinander, auch im Kirchenbezirk“, stellte Genth fest. Deshalb seien auf Landes- und Bezirksebene Plattformen im Internet geplant. Er halte nichts vom „Kampf der Generationen“, sagte Dekan Rainer Kiess zum Abschluss. „Alle Lebensstufen gehören zur Gemeinde und zum Leib Christi und müssen das bekommen, was sie jeweils brauchen.“

geschrieben von Peter Dietrich am 05.04.2017 um 09:05 Uhr.


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