Emmaus: Prinzip Emmaus

Emmausprinzip1.JPGDas biblische Vorbild

Nach Emmaus, einem kleinen Ort in der Nähe von Jerusalem, waren zwei Männer unterwegs. Sie warten traurig, weil sie Gott und die Welt nicht mehr verstanden. Ein Dritter gesellte sich zu ihnen, hörte ihnen zu und erklärte ihnen, wie Gott es mit ihnen und der Welt meinte (Lukas 24, Die Bibel). 

Das Bild von der Wegbegleitung 
Einander auf dem Weg mit und zu Gott begleiten - das ist der Grundgedanke von Emmaus. Weiterkommen nicht durch lange Vorträge und passives Zuhören, sondern im Gespräch und in der Beschäftigung mit den Zeugnissen der Bibel, um erste Erfahrungen zu machen. Auf diese Weise gewinnt der christliche Glaube Gestalt und bereichert das Leben.

Der Ursprung des Emmaus-Projekts
Entstanden ist das Emmaus-Projekt in England. Dort entwickelte auf Anregung von Bischof John Finney in den 1990er Jahren eine überkonfessionelle Autorengruppe ein Programm, das bereits in über 1000 Gemeinden erfolgreich durchgeführt wurde. Über zwei Millionen Menschen sind dadurch erreicht worden, davon hat ca. die Hälfte Anschluss an eine christliche Gemeinschaft gefunden. In Deutschland ist der Emmaus-Gedanke dann um die Jahrtausendwende aufgegriffen und an verschiedenen Orten wie z.B. der Matthäus-Gemeinde in Münster umgesetzt worden.

Der Weg zum Glauben
Grundlegend wichtig ist die Frage: Wie kommen Erwachsene zum Glauben? Für Männer und Frauen sind entscheidende Faktoren für die eigene geistliche Reise nicht Events oder Medien, sondern persönliche Beziehungen. Dabei hat eine aktuelle Studie der Universität Greifswald Folgendes ergeben im Hinblick auf bedeutsame Personen auf dem Glaubensweg: 

Emmausprinzip2.JPGWeitere wichtige Erkenntnisse in diesem Zusammenhang:

  • Der Weg zum persönlichen Glauben ist ein Prozess, der sich häufig über mehrere Jahre hinzieht und auch dann nicht einfach abgeschlossen ist.
  • Um in eine Gemeinde bzw. Gemeinschaft hineinzufinden, braucht es eine breite Palette von kirchlichen Angeboten, wie Gottesdienst, Glaubenskurs, Besuch usw.
  • Dazugehören kommt vor dem Glauben (belonging before believing) - nicht anders herum: Erst durch ihre Mitarbeit finden heute Menschen Zugang zum Evangelium.

Vier Voraussetzungen 
Aufgrund dessen braucht es beim Emmaus-Prinzip die vier G:

  • Gemeinschaft: Auf dem Weg zum Glauben bewährt sich, dass wir echte, nicht nur berechnende Gemeinschaft erleben.
  • Gebet: Nur Gott kann die Tür zum Herzen von Menschen öffnen; darum ist intensives Gebet für Menschen, die eingeladen werden, unersetzbar.
  • Geduld: Weil Christwerden ein langwieriger Prozess ist, soll niemand gedrängt werden; es macht keinen Sinn, etwas zu beschleunigen, was noch nicht reif ist.
  • Geist Gottes: Nur Gottes Geist wirkt im Menschen und schenkt ihm die Wiedergeburt im Glauben. Wir leisten hier lediglich "Hebammen"-Dienste. 

Weiterführende Materialien
EmmausHerbst.jpgWenn Sie noch weitere Informationen zum Prinzip von Emmaus interessieren, können Sie sich die Ausführungen in dem Vortrag von Professor Michael Herbst aus dem Jahr 2004 dazu anschauen. Oder aber Sie greifen zu dem von ihm herausgegebenen Emmaus-Handbuch: "Das Emmaus-Projekt. Auf dem Weg des Glaubens. Handbuch. Konzeption - Durchführung - Erfahrungen" (ISBN 978-3-7615-5458-6). Eine kurze Einführung bietet auch der von Herbst veröffentlichte Band "Emmaus - Auf dem Weg des Glaubens. Die Einführung" (ISBN 978-3-7615-5770-9).